Junge Leute fragen
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Was haben diese drei gemeinsam?
ALS deine Eltern so alt waren wie du, gab es außer Fernsehen und Radio kaum andere Medien. Damals war ein Telefon einfach ein Telefon — es diente der Sprachübertragung und hatte wahrscheinlich seinen festen Platz auf einem eigens dafür vorgesehenen Tischchen. Klingt das hoffnungslos altmodisch? Anna findet schon. „Was Technik angeht, sind meine Eltern im Mittelalter aufgewachsen“, sagt sie. „Sie merken jetzt erst, was ihr Handy alles kann.“
Heute kann man mit einem kleinen Ding, das in jede Hosentasche passt, telefonieren, Musik hören, fernsehen, spielen, Nachrichten verschicken, fotografieren und im Internet surfen. Da du mit Computer, Handy, TV und Internet aufgewachsen bist, denkst du dir wahrscheinlich nichts dabei, diese Medien ständig zu nutzen. Doch deine Eltern halten dich vielleicht schon für süchtig. Schreib ihre Bedenken nicht gleich als realitätsfern ab. „Wenn irgendeiner auf eine Sache eine Erwiderung gibt, ehe er sie angehört hat, so ist es ihm Torheit“, sagte der weise König Salomo (Sprüche 18:13).
Wie soll man reagieren, wenn ein Jugendlicher zu viel Zeit im Internet verbringt, pausenlos SMS schreibt oder ihm der MP3-Player wichtiger ist als die Familie?
Man könnte ihm das Gerät natürlich einfach wegnehmen, aber das ist wahrscheinlich nicht der beste Weg. Statt alle elektronischen Medien pauschal als gefährlich abzustempeln, sollte man sich klarmachen, dass man ja selbst auch das eine oder andere Gerät benutzt, das die eigenen Eltern nicht kannten. Solange also kein zwingender Grund vorliegt, das Gerät einzukassieren, könnte man die Gelegenheit nutzen, dem Sohn oder der Tochter einen verantwortungsbewussten Umgang damit beizubringen. Wie?
Warum sich nicht zusammensetzen und ungefähr so vorgehen? 1. Die eigenen Bedenken äußern. 2. Zuhören, was der Jugendliche dazu zu sagen hat (Sprüche 18:13). 3. Gemeinsam Lösungen erarbeiten. Man braucht sich nicht zu scheuen, klare Regeln aufzustellen, sollte dabei aber vernünftig bleiben (Philipper 4:5). Ellen erzählt: „Als ich es mit dem Simsen total übertrieben habe, nahmen mir meine Eltern das Handy nicht einfach weg, sondern setzten ein festes Limit. Dadurch habe ich gelernt, verantwortungsbewusst mit meinem Handy umzugehen, auch wenn meine Eltern nicht in der Nähe sind.“
Was, wenn sich der Jugendliche uneinsichtig zeigt? Das muss nicht heißen, dass er auf Durchzug geschaltet hat. Also keine Panik. Vielleicht ist er ja bereit, etwas zu ändern, und braucht nur ein bisschen Zeit zum Nachdenken. Vielen Jugendlichen geht es wie Hailey. Sie sagt: „Ich war erst mal sauer, als meine Eltern meinten, ich wäre computersüchtig. Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir, dass sie recht hatten.“
Falls du die Bedenken deiner Eltern nicht nachvollziehen kannst, dann teste doch einmal selbst, ob bei dir Anzeichen von Mediensucht vorhanden sind.
In einem Lexikon wird „Sucht“ so definiert: „Zwanghaftes, maßloses Verhalten, das der Betreffende nicht einstellen kann oder will, obwohl negative Folgen damit verbunden sind“. Wenn man nach dieser Definition geht, sind oder waren die drei Jugendlichen, die am Anfang des Artikels zu Wort kamen, mediensüchtig. Wie siehts bei dir aus? Hier unten findest du die Definition noch mal aufgegliedert und was einige Jugendliche zu den einzelnen Punkten sagen. Denk beim Lesen darüber nach, ob du so etwas auch schon gesagt oder getan hast. Beantworte dann die Fragen.
Maßloses Verhalten. „Ich verbrachte Stunden mit PC-Spielen. Geschlafen hab ich kaum noch und meine Gespräche drehten sich um nichts anderes mehr. Ich hab mich von meiner Familie total zurückgezogen und lebte nur noch in einer Fantasiewelt“ (Andrew).
Hast du dein Handy im Griff, oder hat es dich im Griff?
Nicht aufhören können oder wollen. „Meine Eltern sehen mich die ganze Zeit SMS schreiben und finden das voll übertrieben. Aber im Vergleich zu anderen in meinem Alter simse ich so gut wie gar nicht. Klar simse ich viel mehr als meine Eltern, aber das kann man ja überhaupt nicht vergleichen — sie sind 40 und ich bin 15!“ (Alan).
Negative Folgen. „Meine Freundinnen simsen ständig, sogar beim Autofahren. Das ist doch voll riskant!“ (Julie).
„Als ich mein erstes Handy bekam, hab ich pausenlos telefoniert oder SMS verschickt. Ich konnte nicht damit aufhören. Dabei hab ich meine Familie und sogar einige Freunde ganz schön vernachlässigt. Inzwischen nervt es mich auch, wenn ich mit meinen Freundinnen losziehe und sie ständig sagen: ‚Wart mal, ich hab grad’ne SMS bekommen.‘ Das ist ein Grund, warum ich mit manchen von ihnen nicht mehr so gern was mache“ (Shirley).
„Als wir vor ein paar Jahren umgezogen sind, wollte ich mit meinen Freunden in Kontakt bleiben. Also haben sie mir vorgeschlagen, mich bei einem sozialen Netzwerk anzumelden. Ich fand das eine gute Idee, weil ich dann ja nur mit Leuten kommuniziere, die ich kenne, und nicht mit Fremden. Was sollte da schon schiefgehen?
Am Anfang lief auch alles gut. Ich ging einmal die Woche online, um mir die Bilder von meinen Freunden anzuschauen, Nachrichten zu posten und mir ihre Kommentare zu meinen Fotos durchzulesen. Aber mit der Zeit wurde das richtig zum Zwang. Ich merkte gar nicht, dass ich nur noch im Netzwerk war. Da ich ständig präsent war, wurden Freunde von meinen Freunden auf mich aufmerksam und wollten auch meine Freunde sein. Das kennt man ja: Ein Freund sagt, dass der und der gut drauf ist, und schon setzt man ihn auf die Freundesliste. Ruck, zuck hat man 50 Onlinefreundschaften.
Bald konnte ich an nichts anderes mehr denken. Selbst wenn ich auf der Plattform war, überlegte ich mir schon, wann ich das nächste Mal wieder vorbeischauen kann und dass ich unbedingt neue Bilder posten muss. Hier ein paar Kommentare lesen, da ein Video reinstellen und schon sind kostbare Stunden verplempert.
Es hat anderthalb Jahre gedauert, bis ich merkte, dass ich süchtig war. Jetzt schränke ich die Zeit, die ich online verbringe, radikal ein und suche mir hauptsächlich reale Freunde, von denen ich weiß, dass sie dieselben Werte haben wie ich. Einige meiner Freunde haben dafür kein Verständnis, aber ich habe aus der ganzen Sache gelernt“ (Ellen, 18).
Hier findest du vier Fragen, die dir helfen, verantwortungsbewusster mit Computer, Handy & Co umzugehen. Wenn du dich an die auf der Bibel basierenden Ratschläge hältst und einige einfache Dos and Don’ts beachtest, bleibst du auf der sicheren Seite und bekommst dein Problem in den Griff.
1. Worum geht es inhaltlich? „Richtet eure Gedanken auf das, was schon bei euren Mitmenschen als rechtschaffen, ehrbar und gerecht gilt, was rein, liebenswert und ansprechend ist, auf alles, was Tugend heißt und Lob verdient“ (Philipper 4:8, Gute Nachricht Bibel).
Gut ist, mit Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben und positive Gedanken oder Neuigkeiten auszutauschen (Sprüche 25:25; Epheser 4:29).
Schlecht ist, über andere zu lästern, unanständige Nachrichten oder Fotos zu verschicken und sich unmoralische Clips oder Sendungen anzuschauen (Kolosser 3:5; 1. Petrus 4:15).
2. Wann beschäftige ich mich damit? „Für alles gibt es eine bestimmte Zeit“ (Prediger 3:1).
Gut ist, dir ein Zeitlimit fürs Telefonieren, Simsen, Fernsehen oder Spielen zu setzen. Es ist ein Zeichen von Respekt, bei wichtigen Anlässen, wie zum Beispiel einer religiösen Zusammenkunft, dein Handy auszuschalten. Nachrichten kannst du auch später noch beantworten.
Schlecht ist, dir von elektronischen Medien Zeit stehlen zu lassen, die du eigentlich dafür reserviert hast, mit deinen Freunden und deiner Familie zusammen zu sein, für die Schule zu lernen oder dich für deinen Glauben zu engagieren (Epheser 5:15-17; Philipper 2:4).
Jovarny
“Meine Eltern haben immer gesagt: ‚Du bist ja schon richtig mit deinem Handy verwachsen, so oft wie du das benutzt!‘ Zuerst hab ich darüber gelacht, aber dann merkte ich, dass sie das überhaupt nicht lustig meinten. Jetzt schreibe ich viel weniger SMS und damit gehts mir richtig gut.”
Mariah
“Sobald ich irgendwo einen Computer entdeckt hab, musste ich nachschauen, wer mir geschrieben hat. Hausaufgaben und Lernen sind dabei ganz schön auf der Strecke geblieben. Nachdem ich meine Onlinezeit reduziert hatte, fühlte ich mich unheimlich erleichtert. Man muss einfach das richtige Maß finden.”
3. Mit wem habe ich Kontakt? „Lasst euch nicht irreführen. Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten“ (1. Korinther 15:33).
Gut ist, mithilfe von elektronischen Medien Freundschaften zu festigen, die dich positiv beeinflussen (Sprüche 22:17).
Schlecht ist, dir vorzumachen, du wärst immun dagegen, die Werte, die Sprache und das Denken der Leute zu übernehmen, mit denen du dich beschäftigst, wenn du chattest, simst, fernsiehst, Clips anschaust oder im Internet surfst (Sprüche 13:20).
4. Wie viel Zeit verbringe ich damit? „[Vergewissert] euch der wichtigeren Dinge“ (Philipper 1:10).
Gut ist, mal aufzuschreiben, wie viele Stunden du dich mit elektronischen Medien beschäftigst.
Schlecht ist, auf Durchzug zu schalten, wenn deine Freunde oder deine Eltern sagen, dass du zu viel Zeit mit solchen Medien verbringst (Sprüche 26:12).
Vielleicht wirst du ja positiv überrascht sein, wenn du deine Eltern auf das Thema Unterhaltung ansprichst. „Mein Papa dachte mal von einer meiner CDs, das wäre schlechte Musik“, berichtet Cheryl. „Ich hab ihn gefragt, ob wir uns die CD nicht mal zusammen anhören können. Nachdem er sie von vorne bis hinten durchgehört hatte, fand er sie nicht mehr bedenklich.“
Schreib hier auf, was du deine Eltern gern mal zum Thema elektronische Medien fragen würdest.
Andrew, der inzwischen die Balance gefunden hat, bringt es gut auf den Punkt: „Computer, Handys und so weiter sind cool, verlieren aber schnell ihren Reiz. Ich habe gelernt, nicht zuzulassen, dass mich die Technik von meiner Familie und meinen Freunden isoliert.“
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* Einige Namen wurden geändert.