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Ein Flamingo

Nur der Schönheit
wegen?

IST uns jemals aufgefallen, wie viel Zeit Vögel scheinbar darauf verwenden, sich herauszuputzen? Täglich tun sie offenbar stundenlang nichts anderes, als sich durch die Federn zu fahren. Ob Papageien, Pelikane, Sperlinge oder Flamingos, alle kommen täglich dieser Gewohnheit nach. Warum? Wollen sie nur möglichst gut aussehen?

In Wirklichkeit steckt viel mehr dahinter. Genau wie Flugzeuge gewartet werden müssen, müssen Vögel sich putzen. Es ist lebenswichtig für sie, ihr Gefieder in gutem Zustand zu halten. Die Federn werden stark strapaziert, und das Putzen hält sie nicht nur sauber und frei von Parasiten, sondern dient auch der Aerodynamik.

Die tägliche Pflege schließt das „Zuziehen“ all der Federäste ein, die auseinander gegangen sind. Ein Gefieder, in dem alle Äste ordentlich miteinander verbunden sind, erzeugt mehr Auftrieb. In dem Buch der Vogelwelt Mitteleuropas heißt es: „Zwei Gruppen von Federn erfordern besondere Aufmerksamkeit: die Schwingen und die Steuerfedern.“

Vögel müssen sich auch ständig Parasiten vom Leib halten. Die winzigen Parasiten gefährden nicht nur die Gesundheit der Vögel, sondern fressen sogar ihre Federn an. Wie beobachtet wurde, kann sich ein Vogel mit einem beschädigten Schnabel nicht richtig putzen und hat daher viel mehr Parasiten im Gefieder. Um diese leichter loszuwerden, lassen einige Vogelarten sogar Ameisen über das Gefieder laufen. Die Ameisensäure wirkt offensichtlich insektizid.

Schließlich muss das Gefieder noch geölt werden. Gut eingefettete Federn schützen die Vögel besser vor dem Wetter, und bei Wasservögeln bildet das Öl eine wasserfeste Schicht auf den Federn. Woher kommt das Öl? Von einer besonderen Drüse, die gleich über dem Schwanz liegt — der Bürzeldrüse. Sie sondert ölige und wachsartige Sekrete ab, die der Vogel geduldig im Gefieder verteilt. Dabei werden wiederum die Schwingen besonders berücksichtigt.

Wir brauchen also nicht zu denken, ein Vogel verschwende mit der Gefiederpflege seine Zeit. Zugegeben, diese Pflege dient zwar der Schönheit, aber auch der Gesundheit. In der Vogelwelt ist es überlebenswichtig, sich herauszuputzen.

 
Eine Feder und eine Vergrößerung der Federäste

Beim Putzen hängen sich die winzigen Häkchen ein, die die Federäste miteinander verbinden

Ein Pelikan und ein Papagei putzen ihr Gefieder

Erschien im Erwachet!  vom 22. April 2004

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