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Kinder |
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In dieser Reihe:
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Wenn Kinder durch die
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| Ein übermäßig voll gepackter Zeitplan kann zu Problemen führen | ![]() |
Natürlich ist es nicht verkehrt, die Interessen und Talente seiner Kinder zu fördern. Aber besteht dabei nicht die Gefahr, dass man über das Ziel hinausschießt? Offensichtlich ja, denn manche Kinder scheinen unter fast genauso vielen Belastungen zu stehen wie stressgeplagte Erwachsene. Die Zeitschrift Time schreibt: „Früher hatten die Kinder eine Kindheit, jetzt geht alles nach Zeitplan; Kinder, die herumtollen und -toben sollten, bewegen sich heute so zielgerichtet wie Arbeitsbienen.“
Manche Eltern hoffen, ihre Sprösslinge würden als talentierte Sportler, Musiker oder Schauspieler Karriere machen. Noch bevor die Kinder das Licht der Welt erblicken, werden sie schon zwecks Verbesserung ihrer Erfolgschancen in der Vorschule angemeldet. Manche Mütter sind in Bildungseinrichtungen für Ungeborene eingeschrieben, wo durch Musikerziehung die Entwicklung des Gehirns des Fötus angeregt werden soll.
In einigen Ländern werden Kinder schon unter sechs Jahren auf ihre Rechen- und Leseleistung geprüft. Allerdings wurden wegen der emotionalen Konsequenzen Bedenken laut. Wie mag zum Beispiel ein Kind empfinden, das im Kindergarten „durchfällt“? David Elkind, Autor des Buches The Hurried Child, erklärt, Kinder würden in der Schule zu schnell und zu früh in Kategorien eingestuft, und zwar eher aus organisatorischen Gründen als mit dem Ziel, sie effektiver zu unterrichten.
Um welchen Preis werden Kinder Druck ausgesetzt und frühzeitig zu einer Art kompetenter kleiner Erwachsener gemacht? Die Gesellschaft ist, in einer für Elkind besorgniserregenden Weise, zu der Ansicht gelangt, Kinder müssten die Bürden von Erwachsenen tragen können. Elkind kommentiert: „Darin spiegelt sich die Tendenz, die immer größeren und nachhaltigeren Belastungen der jungen Leute von heute als ‚normal‘ hinzunehmen.“ Ja, die Vorstellungen von dem, was für Kinder normal ist, scheinen sich rasch zu ändern.
Zahlreiche Eltern halten es offenbar für normal, ja ratsam, ihren Kindern einzutrichtern, gewinnen sei alles — besonders im Sport. Die Medaillen bei den Olympischen Spielen sind heute für viele Kinder ein Anreiz. Für einige Ruhmesmomente nach dem Sieg und für ein späteres gesichertes Leben werden manche Kinder durch die Kindheit gehetzt oder müssen komplett darauf verzichten.
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Wenn Kinder zu Höchstleistungen angetrieben werden, geht die Freude an Sport und Spiel verloren |
Nehmen wir zum Beispiel Kunstturnerinnen. Sie beginnen schon sehr früh mit einem knochenharten Training, bei dem ihr zarter Körper enormen Belastungen ausgesetzt ist. Jahrelang bereiten sie sich körperlich und geistig auf die olympischen Wettkämpfe vor. Natürlich können nur einige wenige gewinnen. Werden dann die Verliererinnen wohl damit fertig werden, dass sie für das erzielte Ergebnis einen Großteil ihrer Jugend geopfert haben? Vielleicht kommen sogar den Siegerinnen auf lange Sicht Zweifel, ob sich der hohe Einsatz gelohnt hat.
In dem Bestreben, sportliche Superstars heranzubilden, werden diese Mädchen emotional gesehen durch die Kindheit gehetzt. In ihrer körperlichen Entwicklung bleiben sie aber wegen des harten Trainings womöglich zurück. Manche haben ein gestörtes Knochenwachstum, häufig kommt es zu Essstörungen und in einigen Fällen bleibt die Menstruation aus — oft jahrelang. Demgegenüber ist bei vielen Mädchen von heute das Gegenteil zu beobachten, nämlich dass die Pubertät schon früh beginnt. Darauf wird in dem obigen Kasten eingegangen.
Den Unterhaltungsmedien nach zu urteilen, besteht die ideale Kindheit darin, sich mit allerlei Luxus zu umgeben. Manche Eltern arbeiten sehr hart, um ihren Kindern möglichst viel Komfort zu bieten, zum Beispiel ein Zuhause, in dem es an nichts fehlt, Unterhaltung ohne Ende und teure Kleidung.
Nicht wenige Kinder, die so aufwachsen, verfallen jedoch dem Alkohol, nehmen Drogen oder werden mürrisch und rebellisch. Warum? Viele sind voller Wut, weil sie sich vernachlässigt fühlen. Kinder brauchen Eltern, die für sie da sind, sie lieben und umsorgen. Väter und Mütter, die vor lauter Arbeit dafür keine Zeit haben, glauben vielleicht, durch ihr Bemühen das künftige Glück ihrer Kinder zu sichern — doch in Wirklichkeit tun sie womöglich genau das Gegenteil.
Dr. Judith Paphazy beschreibt „berufstätige Doppelverdiener aus guten sozioökonomischen Kreisen“ und erklärt, sie würden oft „ihre Kinder verhätscheln, weil ihnen unterschwellig bewusst ist, dass ihr materielles Streben zulasten der Familie geht“. Wie Paphazy meint, wollen sich Erwachsene in solchen Fällen „aus ihrer Verantwortung als Eltern freikaufen“.
| Materieller Wohlstand ist kein Ersatz für gute Eltern | ![]() |
Das kommt die Kinder oft teuer zu stehen. An Luxus mag es ihnen nicht mangeln, doch das Wichtigste zu einer guten Kindheit fehlt ihnen, nämlich die Zeit und die Liebe der Eltern. Ohne Anleitung, Zurechtweisung und Orientierung werden sie zu früh mit Erwachsenenproblemen konfrontiert, auf die sie nur schlecht oder überhaupt nicht vorbereitet sind. „Sind Drogen etwas für mich? Wie steht es mit Sex? Darf ich zuschlagen, wenn ich wütend bin?“ Auf solche Fragen werden sich die Kinder wahrscheinlich ihre eigenen Antworten suchen und sie von Gleichaltrigen oder von Personen aus Film und Fernsehen erhalten. Die Folge ist oft ein jähes oder gar tragisches Ende der Kindheit.
Das abrupte Ende einer Ehe — sei es durch einen Todesfall, durch Trennung oder Scheidung — bringt für Kinder oft emotionales Leid mit sich. Natürlich gibt es viele Familien mit nur einem Elternteil, die gut zurechtkommen, aber bei manchen werden die Kinder durch die Kindheit gehetzt.
Verständlicherweise fühlen sich Alleinerziehende bisweilen einsam. Manche lassen jedoch dann eines ihrer Kinder — meistens das älteste — in die Rolle des zweiten „Erwachsenen“ in der Familie schlüpfen. Sie vertrauen sich dem Kind vielleicht aus Verzweiflung an und belasten es mit Problemen, mit denen es in seinem Alter überfordert ist. Einige Alleinerziehende machen sich emotional zu sehr von ihrem Kind abhängig.
Wieder andere Eltern kommen ihren Pflichten überhaupt nicht nach und zwingen ihre Kinder, die Rolle von erwachsenen Familienmitgliedern zu übernehmen. Carmen und ihre Schwester, von denen bereits die Rede war, befanden sich in einer solchen Situation, als sie ihr Elternhaus verließen und ein Leben auf der Straße begannen. Obwohl selbst noch Kinder, war es ihre Aufgabe gewesen, den jüngeren Geschwistern die Eltern zu ersetzen. Das war über ihre Kräfte gegangen.
Es ist zweifellos gefährlich und man sollte es tunlichst vermeiden, seine Kinder durch die Kindheit zu hetzen. Eltern können jedoch zuversichtlich sein: Sie können nämlich ganz konkrete Schritte unternehmen, damit ihre Sprösslinge glückliche Kindheitsjahre erleben. Welche Schritte sind das? Betrachten wir einige altbewährte Empfehlungen.
Erschien im Erwachet! vom 22. April 2003 |