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Ich weiß noch, wie mein Mann überglücklich mit unserem neugeborenen Töchterchen spielte und ich beim Anblick der beiden dachte, sie wären ohne mich besser dran. Ich war ja jetzt sowieso nur eine Belastung für sie. Am liebsten hätte ich mich ins Auto gesetzt und wäre auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Ich ahnte nicht, dass ich an Wochenbettdepressionen litt. * |
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Mein erfolgreicher Kampf gegen
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Was zu Wochenbettdepressionen beitragen kannAbgesehen von hormonellen Veränderungen kann eine Reihe anderer Faktoren bei Wochenbettdepressionen eine Rolle spielen. Dazu gehören folgende:
Diese Aufzählung ist keineswegs erschöpfend. Es gibt noch andere Faktoren, die zu Wochenbettdepressionen beitragen können. Ganz genau kennt man die Ursachen allerdings bis heute noch nicht. |
Die Auswirkungen aus der Sicht meines Mannes„Was mit Janelle passierte, war für mich zunächst unfassbar. Sie war wie ausgewechselt, nicht mehr die einst fröhliche und kontaktfreudige Person; auch verhielt sie sich auf einmal ganz anders. Was immer ich sagte, fasste sie als persönliche Kritik auf, ja sie nahm es mir sogar übel, wenn ich ihr Arbeit abnehmen wollte. Zu Anfang hatte ich gute Lust, ihr zu sagen, dass sie sich zusammenreißen soll, doch mir war klar, dass sich damit alles nur noch verschlimmert hätte. Unsere Beziehung stand unter einer Dauerbelastung. Janelle glaubte offensichtlich, die ganze Welt sei gegen sie. Ich hatte von anderen Frauen gehört, die zufolge von Wochenbettdepressionen unter ähnlichen Symptomen litten. Als der Verdacht in mir aufstieg, meine Frau könne die gleiche Krankheit haben, las ich möglichst viel über dieses Thema nach und fand meine Vermutung bestätigt. Ich erkannte auch, dass Janelle nichts dafür konnte — die Krankheit war nicht aufgetreten, weil sie etwas falsch gemacht hatte. Zugegeben, die zusätzliche Fürsorge, die Janelle und die Kinder brauchten, laugte mich geistig und körperlich aus. Zwei Jahre lang musste ich meinen Beruf und die Verpflichtungen als Versammlungsältester, Ehemann und Vater geschickt unter einen Hut bringen. Zum Glück konnte ich meine Arbeitszeit so legen, dass ich besonders dann früher zu Hause war, wenn wir abends Zusammenkünfte besuchten. Ich musste rechtzeitig da sein, weil Janelle meine Hilfe brauchte, wenn sie das Abendessen zubereitete und die Kinder zurechtmachte. So konnten wir alle die Zusammenkünfte besuchen.“
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Was die Frau tun kann #
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Der Weg aus der Krankheit
Ohne die liebevolle Unterstützung meines Mannes wäre ich bestimmt nicht so schnell gesund geworden. Jason hörte geduldig zu, wenn ich ihm meine Ängste anvertraute. Ich hielt es für sehr wichtig, meine Gefühle nicht in mich hineinzufressen. Manchmal klang meine Stimme sogar wütend. Aber Jason versicherte mir immer wieder, dass er mich liebt und dass wir da gemeinsam durchmüssen. Er versuchte mir immer zu helfen, allem etwas Positives abzugewinnen. Oft entschuldigte ich mich hinterher für das, was ich im Zorn gesagt hatte. Jason beruhigte mich und sagte, die Krankheit würde mich dazu bringen, so zu reden. Rückblickend wird mir klar, wie wichtig seine überlegten Äußerungen damals für mich waren. Wir fanden schließlich gemeinsam einen sehr netten Arzt, der sich Zeit nahm und sich anhörte, wie ich mich fühlte. Seine Diagnose lautete auf Wochenbettdepressionen, und er empfahl unter anderem eine medikamentöse Behandlung, damit ich meine häufigen Angstattacken besser in den Griff bekommen würde. Außerdem riet er mir, die Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen. Auch sollte ich auf regelmäßige Bewegung achten, was schon vielen bei Depressionen geholfen hat. Eine der größten Hürden auf dem Weg aus der Krankheit war es, das Stigma der Wochenbettdepressionen zu ertragen. Wenn andere eine Krankheit nicht verstehen, fällt es ihnen oft schwer, Betroffenen Mitgefühl zu zeigen. Wochenbettdepressionen sind zum Beispiel nicht mit einem Beinbruch vergleichbar, den alle auf den ersten Blick sehen und wofür sie Verständnis zeigen. Aber meine Familie und gute Freunde erwiesen sich als höchst verständnisvoll und hilfsbereit. Liebevolle Unterstützung von Angehörigen und FreundenJason und ich waren meiner Mutter für ihre Hilfe in dieser schwierigen Zeit sehr dankbar. In dem Wechselbad der Gefühle brauchte er manchmal eine Verschnaufpause. Mama war immer positiv und versuchte nicht, mir die Arbeit abzunehmen, sondern sie unterstützte mich und ermunterte mich, möglichst viel selbst zu machen. Auch unsere Freunde in der Versammlung waren uns eine wunderbare Hilfe. Viele ließen uns durch ein paar Zeilen wissen, dass sie an mich dachten. Wie sehr ich doch diese freundlichen Worte schätzte! Insbesondere deshalb, weil es mir nicht leicht fiel, mit anderen zu reden oder zu telefonieren. Ich tat mich sogar schwer, mit den Brüdern vor und nach den Zusammenkünften zusammen zu sein. Wenn unsere Freunde uns also schrieben, zeigten sie nicht nur Verständnis für die Einschränkungen, die mir meine Krankheit auferlegte, sondern brachten auch ihre Liebe und ihr Interesse mir und meiner Familie gegenüber zum Ausdruck.
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Was der Mann tun kann
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Kein Urteil auf Lebenszeit!
Inzwischen geht es mir schon viel besser, was ich dem Rat meines Arztes, der guten Unterstützung meiner Familie und verständnisvollen Freunden zu verdanken habe. Selbst wenn ich müde bin, verschaffe ich mir immer noch regelmäßig Bewegung, was zu meiner Genesung beigetragen hat. Auch bemühe ich mich, auf Ermunterung positiv zu reagieren. In schwierigen Zeiten höre ich mir die Bibel auf Kassette an oder die von Jehovas Zeugen herausgegebenen erbaulichen und erhebenden Königreichsmelodien. Sie sind mir eine gute Hilfe, meinen Glauben zu stärken und mich mit positiven Gedanken zu beschäftigen. Vor kurzem übernahm ich in der Zusammenkunft zum ersten Mal wieder eine Aufgabe über ein biblisches Thema. Es dauerte über zweieinhalb Jahre, bis ich die Liebe zu meinem Mann, zu meinen Kindern und zu anderen wieder deutlicher in mir spüren und besser zum Ausdruck bringen konnte. Für meine Familie war das zwar eine schwierige Zeit, aber wir haben uns noch nie so verbunden gefühlt wie jetzt. Ich bin insbesondere Jason dankbar, der seine Liebe zu mir mehr als bewies, indem er meine Stimmungstiefs ertrug und immer da war, wenn ich seine Hilfe brauchte. Zudem haben wir beide nun ein viel engeres Verhältnis zu Jehova, der uns in unseren Prüfungen wirklich gestärkt hat. An manchen Tagen bin ich immer noch deprimiert, doch dank der Hilfe meiner Familie, meines Arztes, der Versammlung und des heiligen Geistes Jehovas ist ein Ende abzusehen. Ja, Wochenbettdepressionen sind kein Urteil auf Lebenszeit. Sie sind ein Feind, den man besiegen kann. (Erzählt von Janelle Marshall.)
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Mehr als nur „Heultage“Wochenbettdepressionen sind nicht mit den allgemeinen Stimmungsschwankungen nach der Geburt gleichzusetzten. Dr. Laura J. Miller sagt: „Die häufigste Form nachgeburtlicher Stimmungsveränderungen wird als ‚Heultage‘ Im Unterschied zu den „Heultagen“ kommt es bei Wochenbettdepressionen zu anhaltenden Depressionen, die bei der Entbindung oder erst Wochen oder Monate später auftreten können. Einer Mutter in diesem Zustand kann es passieren, dass sie erst himmelhoch jauchzend, dann auf einmal zu Tode betrübt ist und sogar an Selbstmord denkt. Sie ist vielleicht auch reizbar, nachtragend und ungehalten. Womöglich wird sie das Gefühl nicht los, keine gute Mutter zu sein, oder es fehlt ihr an Liebe für ihr Kind. Dr. Miller stellt fest: „Einigen depressiven Müttern sagt zwar der Verstand, dass sie ihr Baby lieben, doch haben sie Schwierigkeiten, etwas anderes als Apathie, Ärger oder Abneigung zu empfinden. Andere Mütter spielen mit dem Gedanken, ihrem Kind etwas anzutun oder es sogar umzubringen.“ Das Phänomen der Wochenbettdepressionen lässt sich weit in die Vergangenheit zurückverfolgen. Bereits im vierten Jahrhundert v. u. Z. stellte der griechische Arzt Hippokrates bei einigen Frauen nach der Geburt starke psychische Veränderungen fest. In einer Untersuchung, die in der Zeitschrift Brazilian Journal of Medical and Biological Research veröffentlicht wurde, hieß es: „Postpartale Depressionen sind ein ernstes Problem, von dem in vielen Ländern 10—15 % der Mütter betroffen sind.“ In der Zeitschrift wurde bedauert, dass „bei solchen Depressionen in den meisten Fällen Fehldiagnosen gestellt werden und keine angemessene Medikation erfolgt“. Eine weniger häufige, jedoch ernstere Störung nach der Entbindung ist die Wochenbettpsychose. Frauen, die davon betroffen sind, haben womöglich Halluzinationen, glauben Stimmen zu hören und verlieren den Bezug zur Realität, wobei sie zwischendurch stunden- oder tagelang ganz normale Phasen durchleben können. Die Ursachen dieser Psychose sind noch unklar, allerdings scheint nach Meinung von Dr. Miller „genetisch bedingte Anfälligkeit, zu der vielleicht Hormonschwankungen als Auslöser hinzukommen, der entscheidendste Faktor zu sein“. Eine Wochenbettpsychose kann von einem fachkundigen Arzt wahrscheinlich erfolgreich behandelt werden. |
* Wochenbettdepressionen werden auch postpartale oder postnatale Depressionen genannt. # Erwachet! empfiehlt keine spezielle Art der medizinischen Behandlung. Die Anregungen, die Frauen und Männern in diesem Artikel gegeben werden, decken nicht jede Situation ab, und einige Punkte treffen womöglich in gewissen Fällen gar nicht zu. |
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| Erschien im Erwachet! vom 22 Juli 2002 |
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